Entwicklung des Konzeptes
Nur was sich verändert, bleibt lebendig!
Die Entwicklung des pädagogischen Konzeptes der Kindertagesstätte Püttlingen im Laufe ihrer 20 jährigen Existenz
Seit der Einrichtung der ersten altersgemischten Gruppe in den Räumlichkeiten der Lebenshilfe 1988 arbeitete die Kindertagesstätte Püttlingen nach einer Rahmenkonzeption, die sich im Laufe der Zeit ständig weiterentwickelte zu dem umfangreichen pädagogischen Konzept, wie es heute vorliegt. Aber auch nach 20 Jahren ist diese Arbeit keineswegs abgeschlossen: Durch die tagtägliche Erfahrung in der pädagogischen Arbeit, durch Weiterbildungen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Impulse aus der Öffentlichkeit kommen nach wie vor neue Ansätze hinzu, und bestehende erhalten eine neue Gewichtung. Mit Fug und Recht kann behauptet werden, dass die Weiterentwicklung des pädagogischen Konzeptes wohl niemals abgeschlossen sein wird - und nicht sein darf, denn nur was sich verändert, bleibt lebendig!
Schwerpunkte des pädagogischen Ansatzes in der Kita waren von Anfang an
das Konzept der offenen Gruppen sowie der ganzheitliche Ansatz, der ein
interaktives Menschenbild zur Basis hat, nach welchem die Kinder als aktiv
handelnde, gleichberechtigte Partner betrachtet werden.
Nach den ersten eineinhalb Jahren als Modellprojekt lieferten das 1990 in Kraft
getretene Krippen- und Hortgesetz sowie die Rahmenrichtlinien für die vorschulische
Erziehung des Saarlandes die juristischen Grundlagen für die inhaltliche
pädagogische Arbeit. Nach diesen stand die "allseitige und ausgleichende
Förderung der Gesamtpersönlichkeit des Kindes" im Vordergrund, die in den drei
Förderbereichen Ich-, Sozial- und Sachkompetenz sowie in verschiedenen Erfahrungsbereichen
(z.B. Musik, Sprache, Bewegungserziehung) zu erfolgen hatte.
Die besondere Struktur der Kita in Form der altersgemischten Gruppen diente gezielt der
Förderung der sozialen Kompetenz durch familienähnliche Strukturen und dem Modelllernen
der kleineren Kinder von den Größeren und das "Lernen durch Lehren" der Großen von den Kleinen.
Nach der Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten, die sich durch den
Umzug in das eigene Gebäude im Februar 1992 sowie die zeitliche Einrichtung einer
dritten altersgemischten Gruppe und der ersten Hortgruppe ergaben, wurde eine
inhaltliche und formale Neugestaltung des pädagogischen Konzeptes notwendig.
Eine Arbeitsgruppe aus insgesamt 22 Personen (Mitarbeiterinnen, VertreterInnen des
Vereins und Eltern) entwickelte von März 1994 bis April 1995 ein umfangreiches
Konzept, das in den drei großen Kapiteln "Ganzheitlicher Ansatz",
"Ziele der pädagogischen Arbeit" und "Methoden der pädagogischen Arbeit mit Kindern"
ausführlich die Arbeit in unserer Einrichtung darstellte.
Die Zusammenarbeit mit den Eltern war nicht nur hilfreich bei der Ausgestaltung des
Konzeptes, sondern gleichzeitig Teil des Konzeptes: Es war erklärtes Ziel der
Einrichtung, die Arbeit mit ihren Kindern für die Eltern als Experten ihrer Kinder
transparent zu machen und die alltägliche Kooperation als Erziehungspartner zu fördern.
Hierzu gehört zum Beispiel die Begleitung der Familien bei Übergängen, insbesondere von
der Vorschulzeit in Hort und Schule.
Die wichtigste Methode in der Arbeit war (und ist immer noch!) der Situationsansatz,
zu dem weitere gezielte pädagogische Schwerpunkte kamen wie z.B. Gesundheitserziehung,
multikulturelle Erziehung und (damals schon!) Suchtprävention. Die Projektmethode
sowie gezielte Einzelförderung, beide auch durch die Einbeziehung externer Partner,
kamen hinzu. Parallel dazu wurde (und wird) ein Rahmenplan für jedes Jahr erstellt,
der die Arbeit an einem gemeinsamen Jahresthema dokumentierte. Überhaupt war
Dokumentation bereits damals ein wichtiges Anliegen, das besonders im Kontext
mit den Beobachtungen der Kinder durch die Erzieherinnen in den Freispielzeiten
diskutiert wurde.
In diesem Zusammenhang ist auch die umfangreiche Fragebogen-Aktion 1999 zu betrachten,
mit der die Zufriedenheit der Eltern über die Leistungen unserer Einrichtung
festgestellt wurde. Qualitativ hochwertige pädagogische Arbeit sowie die Sicherung
der Qualität wurden nicht nur in der Kita Püttlingen zum Thema.
Bereits in den nächsten Jahren kamen stetig neue Elemente zum Konzept hinzu. Als besonders gewichtige seien hier die spielzeugfreie Zeit genannt, die - ebenfalls nach einer Elternbefragung - erstmals 1999 durchgeführt wurde, sowie im selben Jahr die Beschäftigung der ersten französischen Fachkraft für das Projekt Französisch, aus dem sich nach und nach das Konzept einer bilingualen und bikulturellen Einrichtung entwickelt hat.
Die Kita wuchs kontinuierlich weiter, und mit der Notwendigkeit zur Einrichtung einer zweiten Hortgruppe im Jahre 2001 entbrannte auch der Kampf um den Erweiterungsbau der Kita. Parallel zu diesen Bemühungen wurde erneut eine Neufassung des pädagogischen Konzeptes avisiert. Ab 2002 wurde in drei Arbeitsgruppen sowie gelegentlichen Plenumstreffen unter den Arbeitstiteln "Betreuen", "Erziehen" und "Bilden" Schritt für Schritt die aktuelle Ausformulierung des Konzeptes erarbeitet. Auch hier waren neben dem Vorstand und dem Personal der Kita wieder zahlreiche Eltern mit engagiert.
"Betreuen",
"Erziehen" und "Bilden" sind gleichzeitig die drei Grundsäulen des Turmes
aus einzelnen Bausteinen, der unsere gesamte Arbeit darstellt. Nicht von Ungefähr
wurde in der Öffentlichkeit nicht nur im Zusammenhang mit der Pisa-Studie genau in
dieser Zeit eine heftige Diskussion über Inhalte und Qualität von Bildung geführt.
Das Saarländische Bildungsprogramm, das 2006 offiziell erschien, stellte ein gesellschaftlich
verändertes Bildungsverständnis dar. Die Bildungsziele wurden um die "Lern-Kompetenz"
erweitert, und genau dies war auch der einzige Punkt, der im mittlerweile inhaltlich
fertiggestellten neuen Konzept von uns ergänzt werden musste. Alle anderen Inhalte
stimmten quasi im Vorgriff mit dem Bildungsplan überein bzw. lassen sich damit vereinbaren.
Neben den genannten drei inhaltlichen Grundsäulen werden im neuen Konzept dem Aufwachsen in
Mehrsprachigkeit sowie den vielfältigen Zusatzangeboten viel Raum gewidmet. Gerade
letztere zeigen recht anschaulich, wie im Laufe der Zeit immer wieder neue Akzente
gesetzt werden, ohne dass der Baustein-Turm in Schieflage gerät! Weitere Bausteine,
große und kleine, sind bereits hinzukommen und werden im Laufe der Jahre zu
ergänzen sein. Perspektivisch kann bereits jetzt gesagt werden, dass der motorischen
Erziehung zunehmend größere Bedeutung beigemessen wird, was in unseren Bemühungen um die
Anerkennung als Bewegungs-Kita zum Ausdruck kommt.